Kupfermuckn

eine Strassenzeitung von Randgruppen und sozial Benachteiligten

Die Straßenzeitung Kupfermuckn ist ein Kultur- und Beschäftigungsprojekt. Es bietet über Mitgestaltung und Verkauf der Zeitung Tagesstruktur und Zuverdienst für Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind oder waren. Mitarbeit bei der Kupfermuckn bedeutet für alle Beteiligten eine Horizonterweiterung, in der redaktionellen Auseinandersetzung mit schwierigen Themen, in der Reflexion persönlicher Erfahrungen und im täglichen Strassenverkauf. Allen, die die Kupfermuckn erwerben und lesen, soll ein authentischer Einblick in das Leben von Menschen am Rande der Gesellschaft vermittelt werden.

Die Kupfermuckn ist 1996 aus einer von der Arge für Obdachlose durchgeführten Schreibwerkstatt entstanden. Die Ergebnisse dieser Schreibwerkstatt wurden zu einer Zeitung zusammengefaßt, die in der Linzer Innenstadt verteilt wurde. Seither wird – anfangs vierteljährlich, seit 2002 monatlich – eine Zeitung hergestellt und zum Verkauf angeboten.

Was heisst Kupfermuckn?

Kupfermuckn ist ein Begriff aus dem speziellen Wortschatz Wohnungsloser, eine Art Geheimwort und bedeutet Schlafplatz, Unterschlupf in einem Abbruchhaus, in einer Hütte oder sonstwo. Das Wort stammt aus der Kultur der Landstreicher und meinte – wie uns ein Leser unserer Zeitung einmal geschrieben hat – ursprünglich jene Art von Heuschobern, in denen man wegen ihrer Form gut provisorisch übernachten konnte.

Auch heute schlafen in Oberösterreich ca. 200 Menschen laufend in Parks, in Kellern, Stiegenhäusern oder abgestellten Waggons. Es gibt offenbar gute Gründe, Versorgungseinrichtungen zu meiden: Auslastung, Schließzeiten, Kosten, Ehre, Stolz, …

Partizipative Redaktion und StraßenverkäuferInnen

Die Straßenzeitung Kupfermuckn wird von Menschen gemacht und verkauft, die Armut und Ausgrenzung selbst erlebt haben. 32.000 Hefte – Monat für Monat von 25 RedakteurInnen erarbeitet und von 180 VerkäuferInnen in Linz, Wels, Steyr und anderen Orten in Oberösterreich vertrieben, sind eine gewichtige Stimme.

Zeitung machen

Jeden Mittwoch Nachmittag treffen sich zwischen 15 und 20 RedakteurInnen und Gäste zu einer offenen Redaktionssitzung. Nach einem Monat in freier Mitarbeit als Gast kann eine Aufnahme in die Redaktion beantragt werden. Bis zur Aufnahme gibt es Honorare für Beiträge und die Möglichkeit, an Workshops und Exkursionen teilzunehmen, soweit Plätze frei sind. Pro veröffentlichtem Beitrag gibt‘s ein Honorar von 15 Euro und für regelmäßige Mitarbeit bei der Redaktion 40 Euro Fixum monatlich. Wer gerne zeichnet, malt oder fotografiert, kann ebenfalls Beiträge für die Kupfermuckn einreichen.

Im Brennpunkt: Die Redaktionssitzung

Die Redaktionssitzung ist natürlich auch ein gesellschaftliches Ereignis. Gemeinschaft ist wichtig und jeder Beitrag hat seinen Wert. Rund ums Zeitungmachen gibt es ein buntes Bildungs- und Kulturprogramm. Daraus gewinnen wir die Themen unserer Zeitung. Größere Themen erarbeiten wir gemeinsam bei monatlichen Workshops und Exkursionen. Themen der Workshops sind z. B. „Wohnungsträume – leistbares Wohnen“, Urlaub, Häfnerfahrungen, Sucht, Müll, Armut und Gesundheit.

Zeitung verkaufen

Die Zeitung Kupfermuckn wird von der ARGE für Obdachlose herausgegeben und wird monatlich in einer Auflagenhöhe von 32.000 – 50.000 Stück in Linz, Wels, Steyr und in Städten und Gemeinden rund um Linz im Straßenverkauf vertrieben.

Die VerkäuferInnen

Pro Monat kommen zirka 140 VerkäuferInnen in der Marienstraße 11 vorbei und bringen die Zeitung unters Volk. Verkaufszeiten sind jeweils von Mo-Fr zwischen 8.00 und 12.00 Uhr an den ersten zwei Wochen des jeweiligen Monats. Die ersten zehn Zeitungen gibt es gratis. Die VerkäuferInnen kaufen eine Zeitung um einen Euro und verkaufen sie um zwei Euro. Klare Rechnung, gute Freunde!